Idee

Dreißig Jahre nach den friedlichen Revolutionen in der DDR, in der Tschechoslowakei, in Polen, Ungarn und Bulgarien wie auch nach dem blutigen Umsturz in Rumänien zeichnet sich ein vielschichtiges Bild von Gesellschaften ab, die sich ihren selbst gewählten Zielen demokratisch verfasster, liberaler und ökonomisch erfolgreicher Staaten unterschiedlich angenähert oder auch wieder entfernt haben. Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nehmen populistische Stimmungen und insbesondere in den ländlichen Randzonen sogar rechtsradikale Tendenzen zu, die sich vor allem in den Wahlergebnissen der vergangenen vier Jahre niederschlagen. In Polen verstärkt sich spätestens nach der Machtübernahme der PiS-Partei eine von katholisch-autoritärem Geist geprägte Umgestaltung der staatlichen Institutionen zugunsten einer Elite, die rechtsstaatliche Grundlagen demokratisch gewählter Institutionen rückgängig macht und die – gegen den Widerstand aus der demokratischen Mitte – populistische Meinungsbilder von einem einheitlichen Polentum schaffen will. In der Tschechoslowakei begeisterte sich 1990 noch die Mehrheit der Bürger*innen für den Dissidenten-Präsidenten Václav Havel, heute regiert ein Premierminister die Tschechische Republik, dessen Mitarbeit für die Staatssicherheit inzwischen vom Verfassungsgericht bestätigt wurde. In Ungarn bildet sich seit der Machtübernahme durch die Orbán-Partei Fidesz im Jahr 2010 Partei ein demokratiefeindliches Regime heraus, das gegen Grundprinzipien der EU verstößt und unter dem Motto des “illiberalen Staates” demokratische Regeln aushöhlt. Auch Rumänien, ein weithin von institutioneller Korruption geprägter Staat, droht nach einer turbulenten Anfangsphase den Anschluss an eine von demokratischen Richtlinien geprägte europäische Entwicklung zu verlieren.

Warum wird die so mühsam erkämpfte Freiheit heute allzu leichtfertig wieder zur Disposition gestellt? Lassen sich die Wurzeln der antidemokratischen Populismen der Gegenwart schon in der Umbruchzeit oder dem späten Sozialismus verorten? Wie verhalten sich Hoffnungen und Enttäuschungen, Illusion und Desillusion?

Diese und ähnlichen Fragen möchten die Veranstalter anlässlich des 30. Jahrestages der Friedlichen Revolutionen nachgehen. Im Rahmen der Veranstaltungen sollen sowohl die Umbrüche von 1989 in Mittel-, Ost- und Südosteuropa als auch deren Folgen in den postkommunistischen Staaten in vergleichender Perspektive beleuchtet werden. Zudem bietet es sich gerade am geplanten Veranstaltungsort in Regensburg an, auch die Folgen der Grenzöffnung und der EU-Osterweiterung für die Stadt und Region Ostbayern aus Sicht der damals verantwortlichen Funktionsträger zu thematisieren. So soll die Podiumsdiskussion vom 6. Novmeber erstmals eine Diskussion anstoßen, wie die lokale Gesellschaft mit dem politischen Umbruch eine Fahrstunde weit entfernt und dem Zustrom von Menschen aus zwei ehemals sozialistischen Nachbarländern 1989 und danach umgegangen ist, in welcher Weise die sozialen Veränderungen spürbar wurden und in welchem Umfang „1989“ schließlich auch zu dem wirtschaftlichen Boom seit den 1990er Jahre in der Stadt Regensburg und der Region Ostbayern beigetragen hat.

Insgesamt präsentieren wir ein thematisch aufeinander abgestimmtes Programm mit unterschiedlichen Formaten. In der Kombination von Live-Musik, Kinofilmen und Podiumsgesprächen richtet sich das Programm an ein möglichst breites Publikum unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft. Außerdem soll zum Ausdruck gebracht werden, dass sowohl die Opposition gegen die kommunistische Herrschaft, als auch die Unzufriedenheit mit den Entwicklungen nach 1989 nicht nur politisch, sondern auch kulturell artikuliert werden.

Wir laden zur Teilnahme ein!

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